Leipzig

ÔĽŅ
Leipzig
Leip|zig:
Stadt in Sachsen.

* * *

Leipzig,
 
1) kreisfreie Stadt, Verwaltungssitz des Regierungsbezirks Leipzig und des Landkreises Leipziger Land, Sachsen, durchschnittlich 118 m √ľber dem Meeresspiegel, in der Leipziger Tieflandsbucht am Zusammenfluss von Parthe, Plei√üe (in der Innenstadt untertunnelt) und Wei√üer Elster, (1999) 493 900 Einwohner (1989: 530 500 Einwohner). Die zentrale Lage von Leipzig innerhalb Mitteleuropas hat Verkehrsentwicklung und Handelsbeziehungen sehr beg√ľnstigt und die Grundlage f√ľr die Entwicklung der Stadt zu einem Wissenschafts-, Kultur-, Handels- (√§ltester Messestandort Deutschlands) und Wirtschaftszentrum gelegt. Leipzig ist Sitz des S√§chsischen Verfassungsgerichts, des S√§chsischen Rechnungshofs und Finanzgerichts sowie seit 1997 des 5. Strafsenats des Bundesgerichtshofs, demn√§chst (2002 oder 2003) des Bundesverwaltungsgerichts. Bedeutende Einrichtungen von Wissenschaft, Bildung und Kultur sind: S√§chsische Akademie der Wissenschaften, Universit√§t (1409 gegr√ľndet, 1953-90 Karl-Marx-Universit√§t), Hochschule f√ľr Technik, Wirtschaft und Kultur (Fachhochschule), Hochschule f√ľr Musik und Theater ¬ĽFelix Mendelssohn Bartholdy¬ę, Hochschule f√ľr Grafik und Buchkunst, Handelshochschule, Ostdeutsche Hochschule f√ľr Berufst√§tige, Fachhochschule Deutsche Telekom, drei Max-Planck-Institute (f√ľr neuropsychologische Forschung, f√ľr Mathematik und f√ľr evolution√§re Anthropologie), privates Herzzentrum mit Status einer Universit√§tsklinik, Umweltforschungszentrum Halle-Leipzig, Institut f√ľr L√§nderkunde u. a. Forschungsinstitute, Freie Akademie der K√ľnste, Akademie f√ľr Wirtschaft und Verwaltung, Deutsche B√ľcherei, Universit√§tsbibliothek, Nationale Forschungs- und Gedenkst√§tten Johann Sebastian Bach, Haus des Buches (gr√∂√ütes Literaturzentrum Deutschlands), Deutsches Buch- und Schriftmuseum, Stadtgeschichtliches Museum, Grassimuseum (mit Museum f√ľr V√∂lkerkunde, des Kunsthandwerks und Musikinstrumentenmuseum), Museum der bildenden K√ľnste, Galerie f√ľr zeitgen√∂ssische Kunst, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Zeitgeschichtliches Forum u. a. Museen, Opernhaus (mit Ballettschule), mehrere Theater, Gewandhausorchester, Thomanerchor, Medienzentrum (seit 2000 ¬ĽMedia City¬ę), Sitz des Mitteldeutschen Rundfunks (seit Juli 2000 Hochhaus-Sendezentrale); zoologischer und botanischer Garten. In der N√§he der heute zur Universit√§t geh√∂renden ehemaligen Hochschule f√ľr K√∂rperkultur befindet sich das f√ľr 100 000 Besucher errichtete Zentralstadion; Galopprennbahn.
 
Nach der deutschen Wiedervereinigung entwickelte sich Leipzig zu einem der f√ľhrenden Wirtschaftsstandorte und zu einer Finanz-, Handels- und Dienstleistungsmetropole in den neuen L√§ndern sowie zu einem Medienstandort. Die Industrieproduktion ging nach 1990 zugunsten des Dienstleistungssektors stark zur√ľck. In der Stadt sind etwa 70 Kreditinstitute vertreten, darunter die Landeszentralbank f√ľr Sachsen und Th√ľringen. Wichtigste Gewerbezweige sind Druckmaschinen-, Werkzeugmaschinen-, F√∂rdermittel- und Hebezeugbau, medizinisch-technischer Ger√§tebau, elektrotechnische/elektronische und Textilindustrie sowie der Gel√§ndewagenbau und das Baugewerbe; ein Spezialzweig ist der Klavierbau. Das einst bedeutende Druckereiwesen (Grafische Viertel in der Ostvorstadt) ging nach 1990 erheblich zur√ľck, ebenso die wirtschaftliche Bedeutung der Verlage. Viele Betriebe aller Branchen zogen in die zahlreichen Gewerbegebiete am Stadtrand und in die n√§here Umgebung von Leipzig um. Die Braunkohlengewinnung im Tagebau an der s√ľdlichen Stadtgrenze wurde 1992 eingestellt. Etwa ein Drittel der Stadtfl√§che sind Landschaftsschutzgebiete, darunter der das Stadtgebiet von Norden nach S√ľden durchziehende Auwald.
 
Leipzig war bis 1947 (Entstehung des Messestandorts Hannover) universeller deutscher Messestandort, zu DDR-Zeiten besonders Mittelpunkt im Ost-West-Handel. Die Leipziger Messe, hervorgegangen aus den um 1165 bezeugten M√§rkten (Verleihung des Messeprivilegs 1497 und 1507 durch Kaiser Maximilian I.) und schon im 18. Jahrhundert bedeutendste Warenmesse Deutschlands, wurde 1895 zur Mustermesse, die bis 1991 als Universalmesse allj√§hrlich im Fr√ľhjahr und Herbst durchgef√ľhrt wurde. Seitdem finden das ganze Jahr hindurch Fachmessen (darunter die Leipziger Buchmesse) statt; im April 1996 wurde das bisherige Messegel√§nde im S√ľdosten der Stadt nach dreij√§hriger Bauzeit (Leitung: Architektenb√ľro Gerkan, Marg & Partner) abgel√∂st durch die Neue Messe im Norden von Leipzig (102 500 m2 √ľberdachte Ausstellungs- und 3 000 m2 Freifl√§che). Der Rauchwarenhandel, fr√ľher neben London und New York der weltweit bedeutendste, wanderte nach 1945 √ľberwiegend in den Raum Frankfurt am Main und wurde nach 1989 bedeutungslos. Auf dem Gel√§nde des ehemaligen Flughafens Leipzig-Mockau entstand ein Versandhaus der Firma ¬ĽQuelle¬ę. Im S√ľden der Stadt der 120 ha gro√üe Messepark Leipzig-Markkleeberg (Erholungspark; landwirtschaftliche Ausstellungen), westlich ein Naherholungsgebiet am 1,5 km2 gro√üen Kulkwitzer See, der teilweise zu Leipzig geh√∂rt, s√ľdlich der Stadt der Cospudener See (Markkleeberg). Im Jahr 2000 war Leipzig dezentraler Standort der Weltausstellung ¬ĽEXPO 2000¬ę.
 
Leipzig ist Eisenbahnknotenpunkt und besitzt seit 1969 eine Schnell-Bahn. Internationaler Flughafen ist Leipzig-Halle bei Schkeuditz (2000: 2,3 Mio. Fluggäste).
 
 
In der weitgehend durch Fu√üg√§ngerbereiche gepr√§gten Altstadt wurden am in historischen Proportionen erhaltenen Markt die im Zweiten Weltkrieg stark zerst√∂rten Geb√§ude des Alten Rathauses (1556 ff., Arkaden 1906-09; beherbergt heute das Stadtgeschichtliche Museum) und der Alten Waage (1555), die unter ma√ügeblicher Beteiligung von H. Lotter entstanden sind, wieder aufgebaut. In der Katharinenstra√üe befinden sich das Romanushaus (1701/03) und das Fregehaus (1706/07), beide von J. G. Fuchs (beide restauriert). Hinter dem Rathaus am Naschmarkt liegt die fr√ľhbarocke Alte B√∂rse (1678-87), s√ľdwestlich die hochgotische Thomaskirche (auf Vorg√§ngerbau des 12. Jahrhunderts, Chor 1355 geweiht, Langhaus 1482-96, Turm 1537; 1991-2000 letztmalig grundlegend renoviert mit Einbau einer neuen Bachorgel), eine der fr√ľhesten obers√§chsischen Hallenkirchen, Wirkungs- (ab 1723) und Grabst√§tte Johann Sebastian Bachs; vor dem S√ľdportal das neue Bachdenkmal (1908 von C. Seffner). S√ľdlich davon errichtete H. Licht 1899-1905 das Neue Rathaus anstelle der Plei√üenburg (Neubau 1550-67) unter Einbeziehung eines Turms der Burg. √Ėstlich vom Markt liegt die Nikolaikirche (14. Jahrhundert, klassizistisch umgestaltet durch J. F. C. Dauthe) mit der Alten Nikolaischule (1511/12, sp√§ter mehrfach erweitert und restauriert, zuletzt 1991-94), die heute u. a. die Antikensammlung der Universit√§t beherbergt. Nach Schleifung der Stadtmauer und teilweiser Umgestaltung der Wehranlagen zu Promenaden seit Ende des 18. Jahrhunderts begann um 1830 der Strukturwandel der Stadt, u. a. entstanden neue Vorst√§dte (z. B. Gartenstadt Marienbrunn, 1911-14). 1841-44 wurde der Bayerische Bahnhof gebaut. Repr√§sentative Bauwerke des Sp√§tklassizismus und der Neurenaissance bestimmten bis um 1870 das Stadtbild (Alte Buchh√§ndlerb√∂rse, 1836; Hauptpost, 1836; Universit√§tsgeb√§ude, 1836; Neues Theater, 1864-67 von C. F. Langhans). Als Folge des industriellen Wachstums wurden seit der Gr√ľnderzeit v. a. natursteinverkleidete Bank- und Versicherungsbauten, Messe- und Kaufh√§user errichtet. An der Stelle der mittelalterlichen Peterskirche entstand 1886-88 das Reichsbankgeb√§ude, um dieselbe Zeit das Konzerthaus (Neues Gewandhaus, 1882-84, 1943 zerst√∂rt) von M. Gropius, die neugotische Peterskirche (1882-85), das Reichsgerichtsgeb√§ude (1887-96; k√ľnftiger Sitz des Bundesverwaltungsgerichts) von L. Hoffmann, die Musikhochschule (1885-87) von H. Licht sowie die neuromanische Taborkirche (1902-04). Dem Jugendstil verpflichtet sind das Riquethaus (1908) und die Hauptgeb√§ude des zoologischen Gartens (1899/1900). 1907-15 entstand der gr√∂√üte Kopfbahnhof Europas (moderne Umgestaltung 1995-97 durch das Architekturb√ľro Hentrich-Petschnigg & Partner). Die Deutsche B√ľcherei (1914-16, heute mit Buch- und Schriftmuseum) wurde 1959-65 erweitert und 1978-82 durch ein B√ľchermagazin erg√§nzt. Am Augustusplatz wude 1927/28 das Krochhochhaus mit Glockenspiel errichtet. Durch die Entwicklung von einer Waren- zur weltweiten Mustermesse entstanden zahlreiche ¬ĽMessepal√§ste¬ę mit Passagen, Restaurants und kulturellen Einrichtungen: St√§dtisches Kaufhaus, 1893-1901; Specks Hof, 1908/09; M√§dlerpassage, 1912-14 (mit Auerbachs Keller); Petershof, 1927-29 im Stil der Neuen Sachlichkeit sowie die neoklassizistische ¬ĽBetonhalle¬ę (1912, mit Stahlbetonkuppel von 32 m Durchmesser) von W. Kreis auf dem alten Messegel√§nde. Eine herausragende Leistung im Stahlbetonbau stellen die beiden 1928/29 errichteten Massivkuppeln (Spannweite je 75 m) der Gro√ümarkthalle unweit des alten Messegel√§ndes dar. - Mit dem seit 1950 begonnenen Wiederaufbau der Stadt und der st√§dtebaulichen Neugestaltung entstanden am Ro√üplatz sieben- bis neungeschossige Geb√§ude, am damaligen Karl-Marx-Platz (seit 1990 wieder Augustusplatz) wurde an der Stelle des zerst√∂rten Langhansschen Theaters das Opernhaus (1956-60) errichtet sowie das Interhotel ¬ĽDeutschland¬ę (1963-65; heute Hotel ¬ĽMercure¬ę), die Geb√§udegruppe der Universit√§t (1968-75, deswegen erfolgte 1968 die Sprengung der Universit√§tskirche Sankt Paulus, 1229 gegr√ľndet, 1479-1521 umgebaut) und das Neue Gewandhaus (1977-81) nach einem Entwurf von H. Siegel; vor dem Gewandhaus steht der Mendebrunnen (1886) mit 18 m hohem Obelisk. Seit den 1980er-Jahren und besonders seit Beginn der 1990er-Jahre wurden mehrere Stadtzentrumsbereiche erneuert und umgestaltet: Moritzbastei (urspr√ľnglich 1551-53, 1974-82 rekonstruiert), Grimmaische Stra√üe, Thomaskirchhof (1983-85) mit rekonstruiertem Bosehaus (jetzt Johann-Sebastian-Bach-Museum). Zahlreiche kunsthistorisch bedeutsame Bauten wurden rekonstruiert und restauriert (Paulaner Palais, Klingerhaus, St√§dtisches Kaufhaus, Kaffeehaus ¬ĽCoffe Baum¬ę, Wohnbauten im Waldstra√üenviertel), ebenso ehemalige Messeh√§user und Passagen (u. a. Barthels Hof, M√§dlerpassage, Petershof, Specks Hof, Stentzlers Hof, ¬ĽStrohsack¬ę). Zu den Neubauten geh√∂ren das Kaufhaus ¬ĽPeek & Cloppenburg¬ę in der Petersstra√üe (Entwurf: C. Moore, 1994 fertig gestellt), das 1996 er√∂ffnete ¬ĽHaus des Buches¬ę (Entwurf: Hentrich-Petschnigg & Partner in Zusammenarbeit mit anderen), das Brockhauszentrum (1993-95) sowie ¬ĽL√∂hr's Carr√©¬ę (1993-96). Auch das Museum der bildenden K√ľnste bekommt einen Neubau (Fertigstellung 2002 vorgesehen). Einen Erweiterungsbau (unter Einbeziehung der Herfurthschen Villa und eines benachbarten Hauses) von P. Kulka erhielt die Galerie f√ľr zeitgen√∂ssische Kunst. Das Grassimuseum (1925-27) am Johannisplatz, das 1943 und 1945 stark zerst√∂rt und seitdem nur notd√ľrftig wiederhergestellt wurde, erf√§hrt seit 1992 ff. eine Rekonstruktion; der Geb√§udekomplex beherbergt das Museum f√ľr V√∂lkerkunde, das Musikinstrumentenmuseum sowie das Museum f√ľr Kunsthandwerk. - Im Norden der Stadtteil Gohlis mit der Friedenskirche (1871), dem Schillerhaus (Museum) und dem Gohliser Schl√∂sschen (um 1755/56) sowie der Vers√∂hnungskirche (1929-32). Im S√ľdosten der Stadt stehen die Russische Ged√§chtniskirche (1912/13) und das V√∂lkerschlachtdenkmal (1898-1913, von C. Thieme nach Pl√§nen von B. Schmitz). Beispiele des Neuen Bauens stellen die Wohnsiedlung Neu-Gohlis (¬ĽKroch-Siedlung¬ę, nach Entwurf von P. Mebes und P. Emmerich) und der ¬ĽRundling¬ę (nach Entwurf von H. Ritter) in L√∂√ünig dar (beide Anlagen 1930 fertig gestellt). Der Sch√∂nauer Park (um 1880) und der Robert-Koch-Park (um 1900) sowie zwei neue Sakralbauten, die evangelische Pauluskirche (1981-83) und das katholische Gemeindezentrum Sankt Martin (1984) befinden sich in der Gro√üplattensiedlung Gr√ľnau. - Leipzig war Ausgangspunkt der Schrebergartenbewegung (1996 Er√∂ffnung des ¬ĽDeutschen Museums der Kleing√§rtnerbewegung¬ę).
 
 
Eine seit dem 7./8. Jahrhundert bestehende slawische Siedlung wurde zur st√§dtischen Keimzelle Leipzigs, das 1015 als befestigter Ort, 1050 als Burgwardsitz im Osterland erw√§hnt wird (urbs Libzi, wohl ¬ĽLindenort¬ę). Die deutsche Burganlage (10. Jahrhundert; 1017 ersterw√§hnt) lag im Schnittpunkt bedeutender Handelsstra√üen. In ihrer N√§he erwuchs eine erste deutsche Kaufmanns- und Handwerkersiedlung. Eine weitere Kaufmannssiedlung entstand vor 1150 um die heutige Nikolaikirche. Gegen 1165 erhielten die Ortschaften durch Markgraf Otto den Reichen von Mei√üen Stadtrecht und wurden noch vor 1200 mit einer gemeinsamen Mauer befestigt. Anfang des 14. Jahrhunderts erfolgte die endg√ľltige Eingliederung in das wettinische Territorium (1485 an die Albertiner). Die M√§rkte (ab circa 1165; seit 1458/66 zu Neujahr, Ostern und Michaelistag) waren Vorl√§ufer der 1497 und 1507 durch kaiserliches Privileg errichteten Messen.
 
Am 2. 12. 1409 wurde die Universitas Lipsiensis von Lehrenden und Studierenden gegr√ľndet und er√∂ffnet, die die Universit√§t Prag wegen des aufkommenden tschechischen Nationalismus verlassen hatten. Herzog Georg der B√§rtige von Sachsen lie√ü 1519 die Leipziger Disputation ausrichten. Durch die Universit√§t (1544 durch Herzog Moritz von Sachsen in humanistischer Geist erneuert) und die Reformation (1539 eingef√ľhrt, seitdem war die theologische Fakult√§t lutherisch) wurden Buchdruck und Buchhandel in Leipzig heimisch. Im Drei√üigj√§hrigen Krieg (1618-48) erlitt die Stadt kaum R√ľckschl√§ge. Sie √ľberfl√ľgelte N√ľrnberg und Frankfurt am Main als Handelszentrum. Franz√∂sische Glaubensfl√ľchtlinge gaben Ende des 17. Jahrhunderts dem Wirtschaftsleben neue Impulse. Neben Buchdruck, Buchhandel (1825 Gr√ľndung des B√∂rsenvereins des Deutschen Buchhandels) und Musikalienhandel bl√ľhte der Rauchwarenhandel. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts erreichte das Kunst- und Kulturleben europ√§ische Bedeutung: 1723-50 wirkte J. S. Bach als Kantor an der Thomaskirche, Caroline Neuber leitete eine Reform des deutschen Theaters ein; Goethe, der 1765-68 die Leipziger Universit√§t besuchte, erlebte die Stadt als geistigen Mittelpunkt Deutschlands. In den Napoleonischen Kriegen litt Leipzig schwer (1813-14 russischer Stadtkommandatur). Mit dem Anschluss an den Deutschen Zollverein wurden 1833 die negativen Auswirkungen der Randlage seit den s√§chsischen Gebietsabtretungen von 1815 √ľberwunden. Leipzig, 1830 und auch 1848 ein Zentrum der revolution√§ren b√ľrgerlichen Bewegung, nahm bei der Entstehung der Arbeiterbewegung eine f√ľhrende Rolle ein: 1863 Gr√ľndung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV), Wohnort von A. Bebel und W. Liebknecht. Nach der in der 1. H√§lfte des 19. Jahrhunderts einsetzenden industriellen Entwicklung (1839 erste deutsche Ferneisenbahn Leipzig-Dresden) lie√üen sich in Leipzig wichtige Fabrikationszweige nieder (besonders grafische und Textilbetriebe). Die Bev√∂lkerung wuchs rasch an (1800: 32 000, 1870: 102 000, 1895: 400 000 Einwohner). Der H√∂chststand mit 717 000 Einwohnern wurde 1931 erreicht. Seit 1850 wurden etwa 40 Vororte und Ritterg√ľter eingemeindet. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Stadt schwere Sch√§den (v. a. 4. 12. 1943). 1952-90 war Leipzig Hauptstadt des gleichnamigen DDR-Bezirks. - An der Universit√§t Leipzig (bis 1830 eine nach Nationen gegliederte Korporation; ab 1843 ohne eigene Jurisdiktion) lehrten u. a. C. F. Gellert, J. C. Gottsched, W. K. Heisenberg und (bis 1957) E. Bloch.
 
Durch die Entstehung informeller Gruppen in den 1980er-Jahren und die mont√§glichen Friedensgebete in der Nikolaikirche (seit Ende 1981) wurde Leipzig zu einem der Kristallisationspunkte der B√ľrgerbewegung. Die sich im Anschluss an die Friedensgebete organisierenden Montagsdemonstrationen (September 1989 bis M√§rz 1990; bedeutend v. a. am 9. 10. 1989) erreichten im Oktober 1989 eine DDR-weite Wirkung und trugen zum Sturz des SED-Regimes 1989 und zur Herstellung der deutschen Einheit 1990 bei.
 
Die V√∂lkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. 10. 1813entschied den Herbstfeldzug 1813 der Befreiungskriege. Das Vorgehen der Verb√ľndeten, besonders der Schlesischen (G. L. Bl√ľcher) und der Nordarmee (J.-B. Bernadotte), zwang Napoleon I., sich von Dresden nach Leipzig zur√ľckzuziehen; die wesentlich dem Rat A. W. A. Gneisenaus entstammenden konzentrischen Operationen hatten ihn mit der Einschlie√üung bedroht. Nach einem unentschiedenen Aufkl√§rungsgefecht zwischen der Hauptarmee der Verb√ľndeten unter Schwarzenberg und der franz√∂sischen Armee Murats (Reiterschlacht bei Liebertwolkwitz, 14. 10.) wurden die franz√∂sischen und Rheinbundtruppen bei Wachau, M√∂ckern, Lindenau und D√∂litz nach dem Plan Schwarzenbergs zun√§chst noch ohne durchgreifenden Erfolg angegriffen (16. 10.). Erst in der Entscheidungsschlacht am 18. 10. schlugen die Verb√ľndeten (Preu√üen, √Ėsterreicher, Russen und Schweden) im Vorgehen von Nordosten, Osten und S√ľden nach heftigen K√§mpfen (v. a. bei Probstheida) die Truppen Napoleons, der sich zum R√ľckzug entschlie√üen musste. Am 19. 10. erst√ľrmten die Verb√ľndeten in Stra√üenk√§mpfen Leipzig; Napoleonentkam mit M√ľhe, der s√§chsische K√∂nig Friedrich August I. geriet in Gefangenschaft.
 
 
L. 1813, bearb. v. F. Donath u. a. (Leipzig 1953);
 
L. Gesch. der Stadt in Wort u. Bild, hg. v. K. Czok u. a. (Berlin-Ost 1978);
 
L. Aus Vergangenheit u. Gegenwart, hg. vom Museum f√ľr Gesch. der Stadt L., 3 Bde. (Leipzig 1981-84);
 
L., hg. v. W. Hocquél (Leipzig 31990);
 
Kirchen in L., bearb. v. M. Gretzschel u. H. Mai (1993);
 H. Zwahr: Ende einer Selbstzerstörung. L. u. die Revolution in der DDR (21993);
 
Die Architektur der Leipziger Messe, Beitrr. v. W. Hocquél u. G. Vogel (1994);
 
L. im Oktober. Kirchen u. alternative Gruppen im Umbruch der DDR, hg. v. W.-J. Grabner u. a. (21994);
 
Freunde u. Feinde. Friedensgebete in L. zw. 1981 u. dem 9. Oktober 1989. Dokumentation, hg. v. C. Dietrich u. U. Schwabe (1994);
 
Hauptbahnhof L. Gesch., Architektur, Technik, bearb. v. M. Berger (21995);
 
L. Streifz√ľge durch die Kulturgesch., bearb. v. W. Schneider (21995);
 
L. ‚ÄĒ ein geograph. F√ľhrer durch Stadt u. Umland, hg. v. L. Grundmann u. a. (1996).
 
¬†2) Regierungsbezirk im Nordwesten von Sachsen, umfasst Teile der Leipziger Tieflandsbucht, des Mittels√§chsischen Berg- und H√ľgellands sowie die Dahlener und Teile der D√ľbener Heide, 4 386 km2, 1,10 Mio. Einwohner; zum Regierungsbezirk Leipzig geh√∂ren die kreisfreie Stadt Leipzig sowie die Landkreise Delitzsch, D√∂beln, Leipziger Land, Muldentalkreis und Torgau-Oschatz; Verwaltungssitz ist Leipzig.
 
¬†3) von 1952 bis 1990 Bezirk der DDR, ging mit Ausnahme des zu Th√ľringen gekommenen Landkreises Altenburger Land im s√§chsischen Regierungsbezirk Leipzig auf.
 

* * *

Leip|zig: Stadt in Sachsen.

Universal-Lexikon. 2012.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Leipzig ‚ÄĒ View over Augustusplatz ‚Ķ   Wikipedia

  • Leipzig ‚ÄĒ Escudo ‚Ķ   Wikipedia Espa√Īol

  • Leipzig ‚ÄĒ ‚ÄĘ Chief town in the Kingdom of Saxony, situated at the junction of the Pleisse, Parthe, and Weisse Elster Catholic Encyclopedia. Kevin Knight. 2006. Leipzig ¬†¬†¬†¬†Leipzig ¬†¬†¬†¬† ‚Ķ   Catholic encyclopedia

  • LEIPZIG ‚ÄĒ LEIPZIG, city in Saxony, Germany. Jews are first mentioned in Leipzig at the end of the 12th century; an organized community with a synagogue and a school existed from the second quarter of the 13th century. Its inhabitants came mainly from… ‚Ķ   Encyclopedia of Judaism

  • Leipzig [1] ‚ÄĒ Leipzig (hierzu drei Beilagen: Stadtplan mit Registerblatt, Karte ¬ĽLeipzig mit den Vororten¬ę und Tafel ¬ĽLeipziger Bauten I III¬ę), nach der Z√§hlung von 1900 die gr√∂√üte Stadt des K√∂nigreichs Sachsen und die viertgr√∂√üte des Deutschen Reiches,… ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Leipzig ‚ÄĒ Leipzig, 1) Kreisdirectionsbezirk des K√∂nigreichs Sachsen, gebildet 1835 aus dem ehemaligen Leipziger Kreise, zu welchem noch Theile des ehemaligen Mei√ünischen u. Erzgebirgischen Kreises geschlagen sind, 63,14 QM. umfassend, z√§hlt in 37 St√§dten,… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Leipzig ‚ÄĒ Leipzig. Keine Stadt der Pal√§ste und Denkm√§ler, nicht wie London der Aufenthalt von mehr als einer Million Menschen, nicht wie Dresden oder Wien ausgezeichnet durch eine romantische Umgegend, an keinem schiffbaren Strome oder Canale gelegen,… ‚Ķ   Damen Conversations Lexikon

  • Leipzig [2] ‚ÄĒ Leipzig, deutsche evangelische Kolonie in S√ľdru√üland, Gouv. Bessarabien, am Kogilnik (s. d.) und der Bahn Bendery Galaz. L. geh√∂rt zum Kolonialbezirk Kl√∂stitz und wurde 1815 gegr√ľndet ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Leipzig ‚ÄĒ Leipzig, Hauptstadt der s√§chs. Kreish. (3567 qkm, 1900: 1.060.632, 1905: 1.145.063 E., 1 selbst√§ndige Stadt, 6 Amtshauptmannschaften) und Amtsh. L., an der Wei√üen Elster, Plei√üe und Parthe [Karte: Brandenburg etc. I, 5, und Tafel: Geologische… ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon

  • Leipzig ‚ÄĒ Leipzig, Hauptst. des gleichn. Kreisdir. Bez. im K√∂nigr. Sachsen, in einer gro√üen, fruchtbaren, von der Elster, Pleisse und Parthe durchstr√∂mten Ebene, besteht aus der innern Stadt, den Vorst√§dten und dem neuen Anbau, z√§hlte 1853 beinahe 67000 E ‚Ķ   Herders Conversations-Lexikon

  • Leipzig ‚ÄĒ ville d Allemagne (Saxe); 607 660 hab. Import. centre comm. et industr. √©dition. Universit√© fond√©e en 1409. Victoire de Gustave II Adolphe sur les Imp√©riaux (1631). Bataille dite des Nations, perdue par Napol√©on face aux coalis√©s (16 19 oct.… ‚Ķ   Encyclop√©die Universelle


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.